Auf Pilzsuche im Bayerischen Wald – 26.-30. August 2025

Dieses Jahr mussten wir die Pilze tatsächlich suchen – die Fruchtkörper waren deutlich seltener als gewohnt. Ursache sind die klimatischen Bedingungen der vergangenen Wochen, die für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich waren. Aber auch das hatte Vorteile: Jeder einzelne Fund konnte in Ruhe betrachtet, bestimmt und systematisch eingeordnet werden.

Unsere Woche im wunderschönen Bayerischen Wald verbrachten wir gemeinsam mit ebenso pilzbegeisterten Menschen wie wir selbst. Schon am Dienstag starteten wir mit einer gemütlichen Wanderung direkt vom Hotel aus. Dabei entdeckten wir den Flachen Lackporling (Ganoderma applanatum), auch bekannt als „Designer’s Mushroom“. Seine weiche, weiße Porenschicht auf der Unterseite lässt sich in Kunstwerke verwandeln. Außerdem fanden wir Rotrandige Baumschwämme (Fomitopsis pinicola), die sich neben ihrem Geruch an einer auffälligen Reaktion erkennen lassen: Hält man ein Feuerzeug an die Kruste, „schmilzt“ diese und bildet kleine Blasen. „Zauberburgen“ lassen sich aus all diesen mehrjährigen Porlingen schnitzen. Auch Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) und Kiefern-Braunporling (Phaeolus schweinnitzii) fanden wir – beides interessante Färbepilze. Unsere weiteren Entdeckungen und Fotos sind beim NABU/naturgucker dokumentiert. Am Abend stellen wir unsere Webapp vor, betrachteten einige Funde mit dem Stereomikroskop, sortierten die Arten anhand dieser Karten und beschäftigten uns mit Fachliteratur.

Am Mittwoch führte uns der Weg nach Guglöd, eine kleine Enklave mitten im Nationalpark mit artenreichen Wiesen und altem Baumbestand. Hier passt der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) perfekt ins Bild: Er ist ein mehrjähriger Porling, aus dem man früher Funkenfänger und sogar wildlederähnliche Stoffe herstellte. In Rumänien wird dieses alte Handwerk noch heute gepflegt. Neben Pilzen nahmen wir auch andere Organismengruppen unter die Lupe: Ein Fichten-Rüsselkäfer konnte mit Hilfe der NABU/naturgucker-Community anhand eines Fotos bestimmt werden. Auch ein paar botanische Highlights gab es auf dem Weg zu finden wie Silberdistel und Augentrost. Unsere Beobachtungen samt Fotos sind ebenfalls wieder beim NABU/naturgucker hinterlegt. Und dank Verenas Freude am Kochen durften wir einige Pilzarten sogar kulinarisch ausprobieren.

Donnerstag stand die Steinklamm bei Spiegelau auf dem Programm. Der Weg entlang der Großen Ohe bot zunächst landschaftliche Eindrücke, bevor wir uns mykologisch „austoben“ konnten. Besonders spannend: Ein Stäubender Zwitterling (Asterophora lycoperdoides) auf einem Schwärztäubling (Russula nigricans). Auch der Flachbärlapp (Diphasiastrum complanatum), der auf der Roten Liste (RL2) steht, zeigte sich – schon im Vorjahr hatten wir ihn dort entdeckt. Botanisch ein echtes Highlight! Von den Pilzfunden haben uns Strubbelkopfröhrling (Strobilomyces strobilaceus), Semmelporling (Albatrellus confluens) und Ziegenfuß-Porling (Albatrellus pes-caprae) besonders begeistert. Die gesamten Funde und weitere Fotos sind beim NABU/naturgucker zu sehen. Abends wurden die Funde wieder nachbestimmt und unter die Lupe genommen. Zur Auflockerung sahen wir gemeinsam die Episode „Frühstück mit Stefanie“.

Freitag ging es in das Gebiet „Einberg“ bei Rosenau, einen alten Bauernwald mit abwechslungsreichem Mischbestand aus Buche, Fichte, Kiefer und Tanne. Ein idyllischer Bach durchzieht das Gebiet. Claudia zeigte uns dort Bachflohkrebse – ein Hinweis auf die gute Wasserqualität. Außerdem fanden wir Hirschtrüffeln (Gattung Elaphomyces), die häufig von den parasitisch wachsenden Zungenkernkeulen (Elaphocordyceps ophioglossoides) befallen sind. Deren Fruchtkörper ragen aus dem Boden und lassen sich so auch ohne Spürhund entdecken. Charakteristisch für diese Wälder sind außerdem seltene Mykorrhizapilze wie die Rauchfarbenen Duftstacheligen (Phellodon fuligineoalbus). Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Artenvielfalt jedoch geringer aus, da manche typischen Kork- und Duftstachelinge diesmal fehlten. Allerdings fanden wir Tintenfischpilze (Clathrus archeri) und ein paar Schleierlinge (Gattung Cortinarius), die wir allerdings nicht bis zur Art bestimmen konnten. Weitere Informationen zu Bauernwäldern sowie die Artenliste unserer Funde sind online nachzulesen.

Zum Abschluss der Woche besuchten wir noch einmal das Waldgebiet bei Spiegelau. Dort stießen wir auf einige Herbsttrompeten (Totentrompeten, Craterellus cornucopioides), deren Fruchtkörper allerdings schon überständig waren. Spannend waren auch die beiden Fundstellen der Breitblättrigen Glucke (Sparassis berevipes), die im Gegensatz zur Krausen Glucke (Sparassis cripa) nicht auf der Speisepilzliste der DGfM steht. Auch Zungenkernkeulen fanden wir diesmal häufiger als am Vortag. Zudem entdeckten wir Hexenbutter (Fuligo septica), einen Schleimpilz. Wer tiefer in diese faszinierende Organismengruppe eintauchen möchte, dem empfehlen wir den Film von Karl-Heinz Baumann – zwar schon älter, aber dank seiner Zeitrafferaufnahmen nach wie vor sehenswert. Mit geübtem Auge für winzige Schönheiten wie den Roßhaar-Schwindling (Marasmius androsaceus) haben wir dann selbst bei der Verabschiedung im Blumentopf des Hotels noch Pilze entdeckt: winzige Tiegelteuerlinge (Crucibulum laeve), die als„Orakelpilze“ gelten. Wenn sich die „Deckel“ der topfförmigen Pilze öffnen, geben sie die wie Geldstücke aussehenden Sporenpakete im Innern frei. Bei Feuchtigkeit gibt es viele dieser winzigen Pilzchen mit vielen Sporenpaketen – das konnte nur auf eine schlechte Ernte und teure Preise hindeuten. Sie werden auch Brotkorbpilz oder Vogelnestpilz genannt. In dem „Körbchen“ liegen die „Brötchen“ – kleine, linsenförmige Sporenpakete, die nicht stäuben und vom Regen als Ganzes herausgeschleudert werden. Sie werden auch von Vögeln verspeist, die sie für Samen halten. Die Sporen überstehen die Darmpassage unbeschadet und werden so verbreitet. Natürlich haben wir auch diese Funde beim NABU/naturgucker dokumentiert.

Bernd hat eine komplette Liste von allen im Nationalpark Bayerischen Wald vorkommenden Arten gefunden, die ihr hier herunterladen könnt. Für alle, die weiter in die Welt der Natur eintauchen möchten: Wir haben bei der NABU-/Naturgucker-Akademie eine kostenlose Online-Fortbildung zum Thema Pilze erstellt. Auch botanischen Kurse von uns sind online verfügbar. Meine (Ritas) gezeichneten Motiven auf Shirts und weiteren Produkte gibt es hier sowie auf unserer Seite zum Download. In diesem kurzen und auf andere Art in diesem Video  zeige ich, wie die Motive ganz einfach an eigene Wünsche angepasst werden können.

Fazit: Trotz des vergleichsweise spärlichen Pilzwachstums war es eine Woche voller Entdeckungen, fachlichem Austausch und Freude an der Natur. Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden – und allen Pilzfreundinnen und -freunden wünschen wir weiterhin spannende Funde und eine erlebnisreiche Herbstzeit!

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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