Barcamp PilzCoach 2026: Schwefelporling, kreative Pilzkunst & inspirierender Austausch – 8. bis 10. Mai 2026

Ein Wochenende voller Ideen, Begegnungen und gemeinsamer Begeisterung für die faszinierende Welt der Pilze: Zum Barcamp traf sich die PilzCoachCommunity im Bildungshaus Grünberg, um miteinander zu lernen, zu experimentieren und neue Impulse entstehen zu lassen.

Ein Barcamp lebt davon, dass alle etwas mitbringen – Wissen, Erfahrungen, Fragen oder kreative Ideen. Es gibt kein festes Programm, sondern die Teilgeber gestalten die Sessions spontan selbst. Genau das macht dieses Format so besonders: Aus vielen einzelnen Beiträgen entsteht ein lebendiger Mix aus Austausch, Inspiration und Gemeinschaft.

Bereits am Freitag wurde deutlich, wie vielfältig unser Wochenende werden würde. Frank bereitete die von Steffen mitgebrachten Schwefelporlinge zu, so konnte jede* eine kleine Kostprobe bekommen. Dieses Exemplar stammt von einem Obstbaum, doch nach aktuellen Erkenntnissen sind selbst Schwefelporlinge, die an Eibe und Robinie gewachsen sind nicht giftig, da die Inhaltsstoffe des Baumes nicht in den Pilz übergehen. Ralf und Heidrun stellten ein Pilzlegespiel vor, das sich individuell gestalten lässt und sofort für Begeisterung sorgte. Dietmar zeigte eindrucksvoll, wie frische Pilze in PEG konserviert und anschließend mit Moos, kleinen Pilzkörben und weiteren Utensilien aus der Natur oder dem Bastelladen in informative, witzige oder einfach schöne „Fungarien“ eingebettet werden können.

Der Samstag führte uns mit Lisa auf eine Exkursion ins Brunnental – eine beeindruckende Landschaft vulkanischen Ursprungs. Vermutlich entstand das Tal durch tektonische Verschiebungen; zwischen den Basaltschichten finden sich verschiedenste Gesteine, und an vielen Stellen treten Quellen aus dem Boden hervor. Insgesamt entspringen dort 71 Quellen. Besonders eindrucksvoll war zu sehen, wie engagiert sich der Verein seit 2003 gemeinsam mit regionalen Organisationen für die Pflege dieses besonderen Ortes einsetzt. Alte Fotos zeigten, wie aus einer einst vermüllten Gegend Schritt für Schritt ein wertvoller Naturraum geworden ist.

Beeindruckt hat uns dabei vor allem Lisas Optimismus und ihre Erfahrung, wie viel bereits möglich wird, wenn nur zwei oder drei Menschen regelmäßig ein wenig Zeit investieren, um in und mit der Natur zu wirken. Mit viel Engagement, Geduld und Freude ist hier ein Ort entstanden, der zeigt, wie nachhaltige Veränderung wachsen kann.

Die abwechslungsreiche Landschaft führte uns durch Bachläufe, vorbei an glasklaren Teichen, Streuobstwiesen, artenreichen Wiesen mit ganz unterschiedlichen Nährstoffverhältnissen, Hecken und bewaldeten Bereichen. Neben vielen Pflanzen in voller Blüte entdeckten wir unterwegs auch einige Pilze. Immer wieder waren es die kleinen Beobachtungen am Wegesrand, die uns zum Staunen brachten – etwa Gierschhalme, die sich überraschend gut als improvisierte Trinkhalme eignen. Die Vielfalt der entdeckten Pilze, Tiere und Pflanzen ist hier beim NABU/Naturgucker dokumentiert.

Am Nachmittag wurde das Barcamp erneut zu einem kreativen Experimentierfeld. Thomas zeigte über mehrere Sessions hinweg, wie seine wunderschönen Keramikpilze entstehen. Frank eröffnete mit Lupenbrille und Stereomikroskop faszinierende Einblicke in die Welt kleinster Pilzdetails. Dietmar bot seine Konservierungstechnik erneut für alle Interessierten an.

Daneben wurde gefilzt, gedruckt, graviert und diskutiert: Mit Sabine haben wir Pilze aus Wolle gefilzt – naturgetreu oder fantasievoll. Katharina zeigt uns wie sie mit Pilzfarben auf Stoffen gedruckt hat, wir bekommen einen Eindruck in diese spannenden Techniken und können dann selber experimentieren. Daniela entwickelte mit ein paar kreativen Köpfen eine Comicfigur, den Mykobold. Ralf führte uns sein Lasergravurgerät vor uns druckte für uns personalisierte Pilzbürsten mit dem eigenen Namenszug. Annabelle zeigte, wie man eigene Stempel aus Linol herstellt und damit drucken kann. Am Ende entstehen zahlreiche tolle Motive. Vincent führte uns in die Welt von Fokus-Stacking und Bracketing ein und erklärte, wie beeindruckend scharfe Pilzfotos entstehen. In Julias Sessions stand der Erfahrungsaustausch rund um Veranstaltungen im Mittelpunkt: Versicherungen, Genehmigungen und rechtliche Fragen wurden praxisnah diskutiert. Ruth spann Wolle am Spinnrad und erklärte, wie diese für das Färben vorbereitet werden kann.

Natürlich gehörten auch die Pausen zum Erlebnis. Zwischen offenen Gesprächen, dem „Markt der Möglichkeiten“, der frei zugänglichen Bibliothek, dem Verköstigen von Kombucha und vielen kleinen Begegnungen blieb Zeit zum Stöbern, Probieren und Entdecken – inklusive der von Frank Bonert gesponserten Kekse und dem Steinpilzgeist. Katharina berichtet, dass der Fachausschuss Nachwuchs sich darauf verständigt hat, neben des offiziellen Treffens auch Formate wie dieses Barcamps und kleinere Vernetzungstreffen anzuerkennen – selbst wenn sich dafür nur drei PilzCoach-Ausbilder*innen zusammenfinden. Brigitte zeigt uns ihre aus Avocadokern geschnitzten Pilze, ein Pilz aus einem Buch, ihre Erzähltasche und weitere kreative Ideen.

Der Sonntag brachte weitere spannende Impulse. Der Comic rund um den „Mykobold“ wurde weiterentwickelt, und wir sind gespannt, welche Abenteuer diese Figur künftig erleben wird. In einer achtsamen Gesprächsrunde wurde darüber diskutiert, wie Kursleitende mit dem Thema Mikrodosing umgehen können. Dabei entstand ein offener und respektvoller Austausch über persönliche Erfahrungen und verantwortungsvollen Umgang. Inspirierende Beiträge dazu finden sich im Microdosing Podcast von Andreas Lackmann. Passend dazu probierten wir zum Abschluss der Session eine heiße Trinkschokolade mit Stachelbart

Weitere Sessions beschäftigten sich mit der Pilzbestimmung – sowohl klassisch als auch mithilfe von Apps wie iNaturalist. Unter dem Motto „Quo vadis?“ tauschten wir uns schließlich darüber aus, wie sich PilzCoach künftig weiterentwickeln kann. Bei Sonnenschein und weitem Blick von der Dachterrasse entstanden dabei viele neue Ideen und Visionen.

Fazit: Was für ein bereicherndes Wochenende! Das Barcamp hat erneut gezeigt, wie viel Kraft in gemeinschaftlichem Lernen, kreativem Austausch und spontanen Begegnungen steckt. Die Offenheit, Begeisterung und Vielfalt aller Teilnehmenden haben dieses Wochenende zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ein herzliches Dankeschön an Steffen für die gelungene Organisation, an alle, die Sessions gestaltet, Ideen eingebracht, Wissen geteilt oder einfach mit ihrer Präsenz zum Gelingen beigetragen haben. Wir freuen uns schon jetzt darauf, diese Erfahrungen im nächsten Jahr in Bad Boll vom 28.-30. Mai 2027 weiterzuführen und gemeinsam neue Wege zu entdecken.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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