KNAKige Botanik  in Hameln – 17. bis 19. April 2025

An diesem Wochenende dreht sich alles um die Welt der Pflanzen. Im Rahmen des KNAK-Programms kommen Naturinteressierte zusammen, um einen Einstig in die Bestimmung von Pflanzen zu bekommen und spannendes rund um die Botanik zu entdecken und zu vertiefen. 

Am Freitag startet der von Eva Lammek (NABU Hameln – Hessisch Oldendorf – Aerzen e.V.) organisierter Botanikkurs im Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln. Zum Einstieg nehmen wir die Blüte eines Kreuzblütlers unter dem Stereomikroskop genau unter die Lupe. Am Wiesen-Schaumkraut erkennen wir neben den vier Kelch- und Blütenblättern die charakteristischen vier langen und zwei kurzen Staubblätter. Dieses Merkmal macht die Familie unverwechselbar – sie ist die einzige, die sich mit einem Blick in die Blüte eindeutig bestimmen lässt. Doch was genau sind Staubblätter? Und wie lassen sich die weiblichen Blütenelemente erkennen? Diese und viele weitere Fragen begleiten uns durch den gesamten Kurs. Wir bestimmen mit Hilfe unseres Rätselpfades das Wiesen-Schaumkraut. 

Dann geht es hinaus in die Natur. Am Schöllkraut beobachten wir, dass Blüten auch von der typischen Anzahl an Blütenblättern abweichen können – unser Exemplar ist fünfzählig, obwohl Mohngewächse normalerweise vierzählige Blüten besitzen. Karin Hänel zeigt uns ihren beeindruckenden Schulgarten – ein vielfältiger, naturnah gestalteter Lernort, der sogar als erster Schulgarten Niedersachsens ausgezeichnet wurde. Einen Einblick in dieses besondere Projekt bietet ein Beitrag über den Schulgarten des Albert-Einstein-Gymnasiums in Hameln. Dies sind die von uns gemeinsam betrachteten Pflanzen:

  • Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
  • Gundermann (Glechoma hederacea)
  • Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
  • Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirusta)
  • Purpur-Taubnessel (Lamium purpureum)
  • Schöllkraut (Chelidonium majus)
  • Brennnessel (Urtica dioica)
  • Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata)

Außerdem machen wir einen kleinen Exkurs in die Welt der Pilze. Pilze spielen eine zentrale Rolle im Kreislauf der Natur, denn sie führen organisches Material wieder zurück in den Kreislauf. An den „Sofapilzen“, den Striegeligen Trameten, wird deutlich, dass Holz ohne Pilze nicht zu Humus werden könnte. Außerdem leben rund 95 % der Pflanzen in Symbiose mit Pilzen, und in gesunden Böden stellen diese den größten Anteil der organischen Masse – zusammen mit der passenden Bewirtschaftung machen sie Gifte und künstlichen Dünger überflüssig.

Der Samstag beginnt mit Theorie und einer praktischen Bestimmungsübungen anhand der Weißen Taubnessel mit dem Grundkurs Pflanzenbestimmung. Anschließend wandern wir auf den Basberg. Es ist gerade der ideale Zeitpunkt um Baumblätter zu naschen. Wir probieren die von Buche, Ahorn und Linde. Außerdem entdecken wir zahlreiche blühende Pflanzen. Besonders faszinierend ist der Aronstab mit seiner Kesselfallen-Strategie: Mit seinem intensiven Geruch lockt er kleine Fliegen an, die in den von einer Spatha umhüllten Blütenstand krabbeln. Reusenhaare versperren ihnen den Ausgang. Während die Insekten versuchen zu entkommen, bleibt der mitgebrachte Pollen an den Narben der weiblichen Blüten hängen und sorgt für die Bestäubung. Erst danach reifen die männlichen Blüten und geben neuen Pollen frei. Schließlich welken die Reusenhaare, der Ausgang wird frei, und die Insekten können entkommen, um weitere Blüten zu bestäuben. Unsere Artenliste sowie einige Fotos sind beim NABU/Naturgucker eingestellt.

Am Nachmittag begleitet uns Sabine Rose als Rangerin über den Schweineberg und führt uns durch die sensiblen Standorte der Märzenbecher. Sie berichtet, dass das 170 Hektar große Naturschutzgebiet bereits seit 1947 besteht und damals eingerichtet wurde, weil Pflanzen in großer Zahl ausgegraben und verkauft wurden. Auch hier entdecken wir weitere Arten, die ebenfalls beim NABU/Naturgucker dokumentiert sind. Im Forsthaus Heisenküche genießen wir anschließend eine entspannte Pause mit Kaffee und köstlichem Kuchen.

Britta hält dankenswerterweise eine Liste der gemeinsam besprochenen Pflanzen fest:

Wechselblättriges Milzkraut – Chrysosplenium alternifolium
Aronstab – Arum maculatum
Waldmeister – Galium odoratum
Hohe Schlüsselblume –  Primula elatior
Feldahorn – Acer campestre
Buche – Fagus sylvatica
Einblütiges Perlgras – Melica uniflora
Waldveilchen – Viola reichenbachiana
Efeu Ehrenpreis – Veronica hederifolia
Bärlauch – Allium ursinum
Giersch – Aegopodium podagraria
Gelbe Windröschen – Anemone ranunculoides
Bergulme – Ulmus glabra
Waldsauerklee – Oxalis acetosella
Eßkastanie – Castanea sativa
Hohler Lerchensporn – Corydalis cava
Teufelskralle – Phyteuma
Wohlriechende Weißwurz (Salomonssiegel) – Polygonatum odoratum
Douglasie – Pseudotsuga menziesii
Tüpfel- / Echtes Johanniskraut – Hypericum perforatum
Odermennig – Agrimonia eupatoria
Gewöhnlicher Hornklee – Lotus corniculatus
Gänse-Fingerkraut – Potentilla anserina
Schlehe – Prunus spinosa
Persischer Ehrenpreis – Veronica persica
Hirtentäschel – Capsella bursa-pastoris

Am Sonntag widmen wir uns der Anzahl der Fiederungen verschiedener Blätter. Außerdem betrachten wir die Einzelblüten von Korbblütlern am Beispiel von Löwenzahn und Gänseblümchen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die vielen kleinen Blüten innerhalb eines Körbchens nacheinander reifen – anschaulich erklärt anhand unseres Modells. Der ganze Film ist, wie weitere Inhalte zu dieser oder anderen Familien, Teil unserer botanischen Online-Kurse.

 

Fazit: Ein fröhliches Wochenende voller spannender Naturentdeckungen. Herzlichen Dank an Eva für die Organisation im Hintergrund, an Karin für den wunderbaren Schulgarten und ebenso wie an Antonia und Melina für die Begleitung des gesamten Seminars. Ein ebenso großer Dank gilt allen Teilnehmenden für ihre Begeisterung und Freude am gemeinsamen Entdecken und Austauschen. Wir wünschen weiterhin viel Freude mit den Pflanzen und in der Natur.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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