Mit offenen Augen durch die Pflanzenwelt: Botanischer Kurs im Harz – 3. Mai 2026

Heute treffen wir uns mit Gudrun Zunke im Harz, um gemeinsam in die botanische Bestimmung einzutauchen. Unser Kurs findet im wunderschönen Bildungshaus der Heimvolkshochschule in Goslar statt.

Zum Einstieg widmen wir uns der Blüte eines Kreuzblütlers. Wir betrachten sie unter dem Stereomikroskop und dabei tauchen viele Fragen auf: Wie unterscheiden sich männliche und weibliche Blütenorgane? Worauf ist bei der Bestimmung zu achten? Diese und weitere Fragen begleiten uns durch den gesamten Kurstag. Zunächst bestimmen wir das Wiesen-Schaumkraut mit unserem Rätselpfades und schauen uns die typischen Merkmale dieser Pflanzenfamilie an: 4 Blütenblätter sowie die charakteristische Anordnung der 6 Staubblätter – vier lange und zwei kurze. Bei den Arten dieser Familie reicht ein Blick in die Blüte um sie eindeutig zuzuordnen. Bei einem Spaziergang durch den Garten des Bildungshauses entdecken wir zahlreiche Arten und schauen uns ihre Besonderheiten und Merkmale an:

  1. Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) – Kreuzblütler mit Schotenfrüchten
  2. Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.) – bis 200 Blüten in einem Körbchen
  3. Giersch (Aegopodium podagraria) – Doldengewächs mit doppelt dreizähligen Grundblättern und 3-kantigem Blattstiel
  4. Gänseblümchen (Bellis perennis) – Korbblütler mit Röhren- und Zungenblüten
  5. Gundermann (Glechoma hederacea) – Lippenblütler mit besonders vielen ätherischen Ölen
  6. Wegrauke (Sisymbrium officinale) – schmackhafter Kreuzblütler mit kleinen gelben Blüten und dem Stängel anliegen Schotenfrüchten
  7. Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) – borstige Behaarung der Rosettenblätter
  8. Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata) – Zweikeimblättler mit parallel laufenden Blattadern 
  9. Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) – quirlständige Blattstellung
  10. Sauer-Ampfer (Rumex acetosa) – weiblichen Blütenstand der zweihäusigen Pflanze angeschaut
  11. Schöllkraut (Chelidonium majus) – hier sogar eine Blüten mit ausnahmsweise 5 Blütenblättern
  12. Goldnessel (Lamium galeobdolon) – Lippenblütler mit verwachsener Blütenkrone und 4-teiligem Fruchtknoten (Klausenbildung)
  13. Brennnessel (Urtica dioica) – Blüten zweihäusig verteilt auf männliche und weibliche Exemplare
  14. Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) – Kreuzblütler mit herzförmigen Schötchen
  15. Rote Schuppenmiere (Spergularia rubra) – winziges Nelkengewächs im Rasen 
  16. Quendel-Ehrenpreis (Veronica serpyllifolia) – kleine Art mit zartem Stängel und Blättern
  17. Strahlenlose Kamille (Matricaria discoidea) – Kamillen-Art ohne Zungenblüten
  18. Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) – Stängel mit 2 Haarleisten und gegenständigen Blättern
  19. Feld-Ahorn (Acer campestre) – essbare Blätter und Blüten
  20. Maiglöckchen (Convallaria majalis) – tödlich giftige Einkeimblättrige Pflanze
  21. Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) – leckerer Kreuzblütler mit rundlichen Grundblättern und spitzeren Stängelblättern
  22. Gewöhnliches Greiskraut (Senecio vulgaris) – Korbblütler einer Gattung, die sowohl Arten mit nur Röhrenblüten sowie auch Röhren- und Zungenblüten enthält, alle sind giftig
  23. Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) – silbrige Blattunterseite als Überhitzungsschutz
  24. Hain-Veilchen (Viola riviniana) – Veilchen-Art mit hellem Sporn
  25. Kleiner Storchschnabel (Geranium pusillum) – Storchschnabelgewächs mit kleinen, ausgerandeten rosafarbenen Blütenblättern

Nach einem liebevoll zusammengestellten Buffet aus den mitgebrachten Köstlichkeiten widmen wir uns frisch gestärkt der Bestimmung der Goldnessel – diesmal mit dem Grundkurs. Am Beispiel der Schwanenblume schauen wir uns die Blütenentwicklung einer Blüte an – eine Übung aus unserem Online-Botanikkurs.

Faszinierend sind auch die Wachstumsspiralen, die sich beispielsweise in Korbblütlern erkennen lassen. Ihre Formen entsprechen den Bewegungsmustern von Planetenbahnen, wenn man deren Umläufe über lange Zeiträume sichtbar macht. Hartmut Warm beschäftigt sich mit diesen Zusammenhängen und zeigt, wie verschiedene Umlaufbahnen miteinander in Beziehung stehen. Daraus entstehen geordnete Muster, die sich auch in vielen anderen Bereichen der Natur beobachten lassen.

Fazit: Was für ein schöner botanischer Tag. Wir bedanken uns bei Ulrike vom Bildungshaus für die herzliche Atmosphäre, bei Gudrun für die gute Organisation und bei allen Teilnehmenden für ihre Neugier und Begeisterung. Wir wünschen euch weiterhin viel Freude beim Entdecken, Bestimmen und Erleben der Pflanzenwelt.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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