Am Donnerstag startet unsere PilzCoach- und PSV-Weiterbildung in einem zauberhaften Ferienhaus bei Silke Borchert im Harz. Schon für unsere erste kleine Exkursion müssen wir nicht weit gehen, denn direkt vor der Haustür gibt es einiges zu entdecken.




Am ältesten Baum von Buntenbock, einer imposanten Esche, wachsen Sparrige Schüpplinge in unterschiedlichen Altersstufen. Auch die magere Wiese hält gleich einige Funde für uns bereit: Hier finden wir die für diesen Lebensraum typischen Saftlinge mit ihren farbenfrohen und wunderschönen Fruchtkörpern. Wir entdecken zahlreiche weitere Arten und halten unsere Funde mit Fotos fest. Die vollständige Artenliste ist beim NABU/Naturgucker mit weiteren Bildern dokumentiert.





Am Freitag geht es in einen Fichtenwald auf saurem Untergrund. Gleich zu Beginn stoßen wir auf Gift-Häublinge, die den Stockschwämmchen zum Verwechseln ähnlich sehen können. Besonders eindrücklich ist, dass beide Arten sogar an einem Stumpf gemeinsam wachsen . Der Wald überrascht uns mit einer beeindruckenden Vielfalt. Zwischen hübschen Königs-Fliegenpilzen finden wir zahlreiche weitere Arten und diesmal sammeln wir auch Speisepilze für die spätere Verarbeitung. Steinpilze, Pfifferlinge, Fichten-Reizker, Hexenröhrlinge und einige weitere Arten wandern in unsere Sammelkörbe. Außerdem entdecken wir Schwarzkopf-Milchlinge und ihre Verwechslungspartner, die Pechschwarzen Milchlinge. Unsere knapp 100 gefundenen Arten sind beim NABU/Naturgucker dokumentiert.



Am Nachmittag breiten wir unsere Funde systematisch sortiert aus und bestimmen einige Arten nach. Die Speisepilze werden sortiert und zubereitet. Gerade bei Speisepilzen ist es wichtig, auf die Frische der Fruchtkörper zu achten. Dazu empfehlen wir die Verbraucherschutztafeln der DGfM, die wir in einer alten Version gezeigt haben.



Mit dem Stereomikroskop können wir faszinierende Details unserer Funde betrachten. Dank Joshua steht uns außerdem ein „richtiges Mikroskop“ zur Verfügung, mit dem wir uns unter anderem den Unterschied zwischen Schlauch- und Ständerpilzen genauer anschauen. Neben der Bestimmung beschäftigen wir uns auch mit der Frage, wie sich die Bewertung von Speisepilzen im Laufe der Zeit verändert. Dabei diskutieren wir unter anderem den Artikel von Bettina Haberl in der Zeitschrift für Mykologie zur Neubewertung von Morcheln.







Am Samstag fahren wir in das Karstgebiet bei Düna. Hier erwartet uns ein Laubwaldgebiet mit kalkhaltigem Boden. Das durchlässige Gestein macht sich unmittelbar bemerkbar: Der Regen versickert schnell und begrenzt dadurch das Pilzvorkommen deutlich. Als Kalkzeiger entdecken wir unter anderem einen Igel-Stäubling. Besonders beeindruckend sind außerdem die großen Vorkommen des Hirschzungenfarns, die in einem Karstkrater wachsen. Bei den Pilzen finden wir neben einigen Frauen-Täublingen vor allem Zersetzer: Halskrausen-Erdsterne, Hallimasch, Kastanienbraune Porlinge und Orangemilchende Helmlinge. Wir stoßen auf einen Geländepunkt, bei dem wir vermuten, dass es sich um einen Standort für eine Dauerbeobachtungsfläche handeln könnte – und sprechen über die Kartierung in der Feldmykologie. Unsere Funde und weitere Fotos sind in der Artenliste beim NABU/Naturgucker dokumentiert. Ein paar von uns nutzen die Gelegenheit, die Höhle im Karstgebiet zu erkunden, in die wir erstaunlich weit hineingehen können – Pilze finden wir dort keine, doch es ist ein ganz besonderes kleines Abenteuer.






Am Nachmittag machen wir wieder in der Nähe unseres Ferienhauses noch einen kurzen Gang bis zum nahegelegenen Gewässer. Auch dort entdecken wir weitere interessante Arten, die sich ebenfalls beim Artenliste beim NABU/Naturgucker nachlesen lassen. Am Abend erleben wir unmittelbar, wie eine Anfrage über das GIZ abläuft. Bei Thomas geht ein Notruf ein, von einer Person, die – wie sich anschließend herausstellt – Karbol-Champignons gegessen hat. Für uns ist das eine eindrückliche Gelegenheit, den Ablauf einer solchen Beratung nicht nur theoretisch zu besprechen, sondern live mitzuerleben.




Am Sonntag nimmt uns Silke mit auf eine ganz besondere Reise durch die Zeit. Anhand von fiktiven Lebensgeschichten einzelner Menschen führt sie uns von den ersten Rodungen im Harz bis in die Gegenwart. Wir erfahren, wie aus dem ursprünglichen Buchenwald ein Fichtenwald entsteht und wie dieser heute vielerorts aufgrund seiner fehlenden Resilienz wieder verschwindet. Gleichzeitig eröffnet sich die Chance, dass sich daraus neue und diesmal zukunftsfähigere Lebensräume entwickeln. Auch die Pilzvergiftungen beschäftigen uns an weiter. Wir diskutieren verschiedene Vergiftungsfälle und Thomas berichtet aus seiner Tätigkeit als Pilzsachverständiger. Björn Wergen bietet im Schwarzwald spezielle Fortbildungen zu diesem Themenbereich an. Lena stellt uns außerdem den von ihr entwickelten Leitfaden für den Umgang mit Ratsuchenden vor, die über die GIZ die Kontaktdaten einer Pilzberatungsstelle erhalten. Shirts und Produkte, wie wir sie getragen haben, findet ihr hier. In diesem Video erkläre ich außerdem, wie sich die Motive an die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen. Die Motive zum Download gibt es hier.



Fazit: Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Silke für die großartige Organisation, das leckere Essen und die liebevoll gestaltete, gemütliche Unterkunft. Ebenso danken wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Begeisterung für die Pilzwelt, ihre Neugier und den intensiven Austausch. Wir erleben gemeinsam abwechslungsreiche Tage voller Pilze, spannender Funde, fachlicher Gespräche und vieler kleiner Abenteuer. Besonders schön ist dabei das inspirierende Miteinander – und genau deshalb freuen wir uns schon jetzt auf die nächste gemeinsame Pilzrunde.




