Drei spannende Tage verbringen wir in der Alten Lübber Volksschule beim Seminar „Feldmykologie“, das Benedikt van Acken vom KAB Diözesanverband Paderborn e.V. organisiert. Gemeinsam erkunden wir die Natur, entdecken und bestimmen Pilze und beschäftigen uns mit ihrer Bedeutung für den Wald und das Ökosystem.
Ein Blick in die von Michael Joest entwickelten WebApp „Pilzwetter“ zeigt uns, dass sich die Bodenfeuchtigkeit in den vergangenen Tagen deutlich verbessert hat. Außerdem erfahren wir mehr über die geologischen Voraussetzungen vor Ort: Das Ausgangsgestein ist kalkhaltig – eine wichtige Information, wenn wir später nach bestimmten Zeigerarten Ausschau halten.




Montag – Ein erster Streifzug durch das Buchenlaub
Zum Auftakt geht es in die Buchenwälder des Wiehengebirges. Gleich zu Beginn begegnen uns Birkenporlinge – dieselbe Art, aus der wir kurz zuvor unsere Namensschilder gefertigt haben. Der Birkenporling ist auch als Vitalpilz bekannt. Doch auch andere Porlinge sind sowohl in der Mykotherapie als auch in der Feldmykologie von besonderem Interesse. Die typischen Rotrandigen Baumschwämme sind leicht zu erkennen. Bei Exemplaren ohne den charakteristischen roten Rand wird die Bestimmung schon schwieriger. Hier hilft ein kleiner Trick: Erhitzen wir die Kruste vorsichtig mit einem Feuerzeug, wirft sie Blasen. Beim Zunderschwamm bleibt sie dagegen unverändert. Mit dem Specht-Tintling und den Elfenbein-Schnecklingen entdecken wir weitere Arten, die auf kalkhaltige Böden hinweisen. Auch Orangemilchende Helmlinge finden wir, deren Farbstoffe wir en uns zum Malen ausprobieren. Auch Mykorrhizapilze finden wir ein paar, wie beispielsweise Gold-Röhrlinge, die streng an Lärchen gebunden gedeihen. Unsere Fotos und die Fundliste sind wieder bei iNaturalist zu finden.



Am Abend ordnen wir unsere Funde systematisch und schauen uns eine Arten mit dem Stereomikroskop genauer an. Unser systematisches Poster und diese Karten unterstützen uns dabei. Einige Arten legen wir für einen Sporenabdruck aus. Denn die Farbe des Sporenpulvers ist ein wichtiges Merkmal bei der Zuordnung. Mithilfe von Verbraucherschutztafeln besprechen wir, woran sich frische und verdorbene Fruchtkörper erkennen lassen.



Dienstag – Zeigerarten und weitere spannende Funde
Auch am zweiten Tag zieht es uns wieder in die Buchenwälder. Neben Buchen finden wir hier weitere Baumarten wie Lärchen, Fichten und Birken. Die unterschiedlichen Lebensräume bieten uns eine abwechslungsreiche Pilzvielfalt. Wir lassen ein Stück Zunderschwamm glimmen, das wir am Vortag gesammelt haben, es ist das selbe Material, aus dem in Rumänien auch kunsthandwerkliche Gegenstände hergestellt werden.


Gleich zu Beginn entdecken wir einige Gift-Häublinge. sie können sogar am selben Baumstumpf wie Stockschwämmchen wachsen. Auch ungewöhnliche Erscheinungen wie die Hundsruten und die Igel-Stäublinge begeistern uns. Dazu kommen bekannte Vitalpilze wie das Judasohr, das als Mu-Err auch in der asiatischen Küche eine wichtige Rolle spielt. Wer sich näher mit Vitalpilzen beschäftigen möchte, findet im Buch von Jürgen Guthmann eine empfehlenswerte Einführung. Aus einem Stamm, den Pilze mit ihrem Wirken in eine weiche, weiße Masse verwandelt haben, formen wir „Weißfäulebällchen“. Unsere Funde dokumentieren wir wieder bei iNaturalist.





Anschließend geht es an die Nachbestimmung. Mit dem Rätselpfad und dem Grundkurs Pilzbestimmung üben wir die Bestimmung, während die Fortgeschrittenen mit zusätzlicher Fachliteratur arbeiten. An der Steifen Koralle und am Zunderschwamm probieren wir außerdem chemische Reagenzien aus, die bei der Bestimmung helfen. Besonders anschaulich ist die Reaktion am Zunderschwamm: Seine Kruste verfärbt sich mit Lauge rotbraun. Natürlich kommt auch die praktische Verwendung nicht zu kurz: Aus dem Birkenporling bereiten wir einen Tee zu und probieren eine in Alkohol angesetzte Tinktur.
Mittwoch – Weitere Entdeckungen und kulinarische Einblicke
Auch am letzten Seminartag nutzen wir den Vormittag für einen weiteren Streifzug durch den Wald. Diesmal gibt es sogar wunderschöne Steinpilze zu entdecken – auch die vielen verschiedenen Formen von Rettich-Helmlingen sind interessant. Hier spielt auch der Geruch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung. Besonders schön präsentieren sich die Buchen-Schleimrüblinge. Aber auch winzige Arten wie die Gestreiften Teuerlinge begeistern uns. Die zerfließenden Schopf-Tintlinge werden als Tinte zum Malen gleich vor Ort ausprobiert. Unsere neu entdeckten Arten halten wir erneut bei iNaturalist fest – insgesamt kommen wir während der drei Seminartage auf mehr als 100 verschiedene Pilzarten! Zum Abschluss probieren wir ein Vitalpilzgetränk mit Stachelbart.





Für den Bezug von Kulturpilzen empfehlen wir den Shop von Nicola Krämer. Leuchtende Knäuelinge gibt es beispielsweise hier. Bei der NABU/naturgucker-Akademie gibt es unsere kostenlose Online-Fortbildung rund um Pilze. Meine handgezeichneten Pilzmotive stehen zum Download auf unserer Seite bereit und finden sich auch auf unseren Shirts und Produkten bei Spreadshirt. In einem Video zeige ich, wie sich die Produkte ganz einfach personalisieren lassen. Pilzschulen und Anlaufstellen für Pilzberatungen findet man auf der Karte der DGfM, im Raum Goslar ist das beispielsweise Andreas Gminder.



Fazit: Drei Tage voller spannender Entdeckungen und gemeinsamer Erlebnisse! Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für ihre Neugier und Entdeckerfreude sowie beim Team der Alten Lübber Volksschule für das leckere Essen, die schöne Atmosphäre und das passende Ambiente. Wir kommen gerne wieder!




