Köstliche Beeren zur Winterzeit: Myrte – 7. Januar 2023

Den Jahreswechsel haben wir in Ligurien verbracht und an der Küste fasziniert uns zur Zeit die Myrte (Myrtus communis), ein immergrüner, bis 5 m großer Strauch der mediterranen Macchie – so wird die Gebüschvegetation am Mittelmeer genannt, die sich nach dem Abholzen der Wälder eingestellt hat.

Da die Myrte vielfältig verwendet und seit dem Altertum kultiviert wird, findet man sie auch außerhalb ihres bevorzugten Standortes auf steinigen, kalkfreien und feuchten Böden häufig verwildert. Unsere Wandertouren in der Nähe der Cinque Terre hat sie allgegenwärtig begleitet und wir konnten von ihren Beeren mit dem einzigartigen Aroma naschen. Allerdings stören die harten Kerne (Bild unten rechts) etwas den Genuss. Sie erinnern ein wenig an Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), was sich auch in ihrem Namen des aus ihnen hergestellten Liköres spiegelt: Auf Sardinien genießt man den „Mirto Rosso“ aus den Früchten und den „Mirto Bianco“ aus Blätter und Blüten. Auf Korsika heißt der Myrtenlikör „Myrtei“ und dort werden die Früchte auch als Gewürz verwendet. Die blauvioletten Farbstoffe (Anthocyane) sind die gleichen wie in Heidelbeeren – sie sind durch ihre antioxidativen Eigenschaften sehr gesund. Es soll sogar eine Salbe gegen Herpes aus ihren Extrakten geben.

Das ätherische Öl der Blätter schätzt man medizinisch vor allem bei Atemwegserkrankungen und gegen Appetitlosigkeit. Bei unseren Naturerlebnisferien im Frühjahr habe wir Tinkturen aus den Blättern hergestellt. Als Aroma in der Küche werden sowohl Blüten als auch Blätter und Früchte verwendet.

Auch in der Mythologie spielt die Myrte eine große Rolle. Sie ist der Göttin Aphrodite geweiht und symbolisiert Natürlichkeit, Schönheit, Liebe und Lebenskraft. Als Kranz oder auf den Boden gestreut wird hat sie bei Hochzeitsbräuchen und anderen Ritualen eine lange Tradition. Wir haben neben den Früchten sogar ein paar Blüten entdecken können. Ohne diese kann man diesen vielseitigen Strauch an den gegenständigen, aromatisch duftenden Blättern erkennen. Sie sind fein durchscheinend punktiert und zugespitzt.

Auch neben diesem hübschen Strauch gibt es für uns hier selbst im Januar überraschend viele blühende Pflanzen zu entdecken – wie den hier abgebildeten Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Meerfenchel, Nickenden Sauerklee (Oxalis pes-caprae) und Krummstab (Arisarum vulgare).

Wo auch immer ihr in das neue Jahr gestartet seid – wir wünschen euch ein tolles Jahr im Zeichen der Myrte voller Liebe, Lebensfreude und Naturentdeckungen.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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