Pilzpirsch und dolce Vita in Ligurien – Naturerlebnisferien vom 1. bis 7. Oktober 2023

Am Sonntag beginnen unsere Naturerlebnisferien im Varatal in Ligurien bei schönstem Sonnenwetter mit dem gemütlichen Sonntagscafé auf der Terrasse von Annemarie und Peter mit Blick in die Ligurischen Berge. Anschließend machen wir eine Entdeckungstour bis zur Kirche von Teviggio. Es ist immer wieder faszinierend, wie viele Pflanzen wir dort finden – und auch einige Pilze. Darunter auch spannende Heilpflanzen wie Goldrute, Eisenkraut, Karde, Thymian und Wasserdost. Arten, die Ines und Martin auch in ihrem Oberbergischen Kräuterhaus vor allem als Tee zum Verkauf anbieten. Unsere Artenliste ist hier beim Naturgucker eingetragen. 

Frisch gestärkt mit einem Trüffel-Spiegelei-Frühstück kann der Montag beginnen! Wir spazieren über den kleinen verlassenen Ort Porciorasco bis zu einem kleinen Bachlauf mit klarem, kalten Wasser. Der Klebalant (Dittricha viscosa) ist in voller Blüte und wird von zahlreichen Insekten angeflogen. Von den Pilzen begeistern uns vor allem die Fahlen Röhrlinge (Hemileccinum impolitum), die wir bei uns noch nie gefunden haben. Dieser Speisepilz zeichnet sich durch einen hellgelben Stiel und nicht blau anlaufendes Fleisch aus. Er wächst meist in Symbiose mit Laubbäumen auf kalkhaltigen Standorten. Einen wunderschönen blauen Schleierling konnten wir leider nicht bis zur Art bestimmen und die Ochsenzunge ist zu klein für eine Verköstigung. Unsere Fundliste ist wieder beim Naturgucker zu finden. Abends lässt uns Peter die Düfte von 5 verschieden Trüffeln testen. Die häufigste Art die Leo auch hier vor Ort findet ist die Rotbräunliche Trüffel (Tuber rufum). Anita und Rolf üben mit ihrem Hund Juri erst einmal mit dieser Art – Ziel ist es, dass er auch einmal Trüffel finden wird.

Am Dienstag frühstücken wir in der zauberhaften kleinen Stadt Ligure Varese, die die Form eines Eurozeichens besitzt. Nach Picknickkauf und einem kleiner Stadtbummel über den Markt geht es zum Passo Monte Gottero in den Zauberwald auf Pilzpirsch. Neben ein paar Steinpilzen, Perlpilzen und Täublingen finden wir auf den Wiesen Parsolpilze (Macrolepiota procera) und Schaf-Champignons (Agaricus arvensis). Es gibt neben Grünen Knollenblätterpilzen auch weitere Wulstlinge, so dass wir die Merkmale von Ring- und Knollenformen gut vergleichen können. Die Buchen-Schleimrüblige (Mucidula mucida) mit ihrem durchscheinenden, schleimigen Hut und den weißen Lamellen begeistern uns ebenso. Ihre Inhaltsstoffe werden in der Mykotherapie vor allem gegen Hautpilze eingesetzt. Die gesamte Fundliste und weitere Fotos sind hier beim Naturgucker zu finden. Abends gibt es eine Pilzbesprechung im Innenhof.

Am Mittwoch verbringen wir einen kreativen Tag mit Schnitzen von Giraffenholz. Die hübschen schwarzen Linien im Holz entstehen meist durch die Zersetzungsarbeit der Langstieligen Ahorn-Holzkeulen. Neben vielen Schnitz- und Bearbeitungswerkzeugen haben uns Helga und Wolfgang auch zahlreiche Stöcke mitgebracht – einige weitere hat Peter von der Pilzwanderung mitgebracht. Neben Ohrringen, Köpfen und kleinen Töpfchen werden auch Löffel und Deko geschnitzt. Mit Hilfe von Motivstanzern haben wir aus getrockneten Blättern Schmetterlinge, Elche und Blätter gestanzt und damit Grußkarten entworfen. Anita hat die tolle Idee auch frische Blätter als Motive zu stanzen und als essbare Deko zu verwenden. Im Frühjahr ist die Auswahl natürlich größer, jetzt musste der Feigenbaum als Testobjekt ein Blatt hergeben.

Wolfgang zerkleinert den gefundenen Zunderschwamm für die Tee-Zubereitung. Neben der Herstellung für lederartige Artikel und das Auffangen von Funken zum Feuermachen wird dieser Porling auch als Vitalpilz geschätzt. Mehr darüber ist in seinem bald erscheinenden Buch über Vitalpilze nachzulesen. Von Anton bekommen wir Kostproben seines Kletten-, Löwenzahn und Wegwarten-Kaffee serviert. Wie jeden Nachmittag genießen wir den von Annemarie gebackenen Kuchen dazu. Am Abend werden wir mit Steinpilz- und Gorgonzola-Birnen-Risotto samt Beilagagen verwöhnt.

Da es recht trocken war sind Pilze vor allem in den Höhenlagen zu vermuten. So fahren wir am Donnerstag in die Nähe des Passo Bocco und wandern den Weg entlang. Die Hänge sind recht steil und es ist erstaunlich, wie diese Wälder von den Einheimischen gemsengleich erklommen werden um die begehrten „Porcini“, wie die Steinpilze hier genannt werden, zu sammeln. Vermutlich kennen sie gangbare Wege und genau ihre Reviere, denn auf dem Mark in Varese sind sie derzeit zu kaufen. Fundig sind wir auch geworden, wenn auch nicht in großer Menge – vor allem hat uns hier der grandiose Ausblick und die Stille der Landschaft gefallen. Außerdem haben wir Glattstielige Hexenröhrlinge (Suilellus queletii) gefunden, die für uns etwas sehr besonderes sind. Bei den Hainbuchen-Raustielröhrlingen (Leccinum carpinii) finden wir interessant, dass diese bei uns nur mit Hainbuchen (Carpinus betulus) wachsenden Röhrlinge hier bei Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia) gedeihen. Immerhin gehören beide Baumarten in die Familie der Birkengewächse. Eine Liste unsere Pflanzen- und Pilzfunde ist beim Naturgucker eingestellt. Am Abend haben wir dann neben weiteren Köstlichkeiten Champignons und Mischpilze genossen. 

Zur ohnehin köstlichen Zwiebeltarte von Annemarie gibt es eine Sauce aus Erbsenstreulingen. Dazu hat Peter die getrockneten Pilze, die wir in Lehesten bei der Tagung der DGfM gefunden haben gemahlen und dann als Sauce angerührt – wir sind begeistert!

Freitag besuchen wir die  Bio-Kräutermanufaktur Piccolo Erbe von Daniele und Maurizio. Es ist faszinierend mit welcher Begeisterung dieses Ehepaar seit Jahren Kräuter anbaut und dies zu Tee, Likör, Salz und in weitere unglaublich aromatische Delikatessen verwandelt. Anschließen gehen wir über die Wiesen bis zum Bach. Dort finden wir sehr viele Champignons – das Anlaufen der Knolle und der unangenehme Geruch bestätigt uns leider, dass es Perlhuhn-Karbolchampignons (Agaricus moelleri) sind. Mit einigen Mühen und nassen Füssen überqueren wir den Bach und wandern den Nordhang mit Kastanienwäldern hinauf. Hier finden wir wieder einige Steinpilze und einige weitere Pilzarten. Unsere Funde sind wieder beim Naturgucker zu finden. Die Pfifferlinge und eine weitere Mischpilzpfanne genießen wir dann zum gemeinsamen Abendessen.

Peter hat aus Rumänien eine Kollektion von Armbändern aus Zunderschwamm mit verschiedenen Motiven geschickt bekommen. Wir sind begeistert und Frank fotografiert diese neue Kollektion für seine Webseite.

Die T-Shirts mit den von mir gezeichneten Naturmotiven findet ihr hier. Wie ihr die Motive anpassen könnt zeige ich in diesem kurzen und auf andere Art in diesem Video. Die Online-Schulung bei der NABU/Naturgucker-Akademie findet ihr hier. Was mich an Pilzen inspiriert erfahrt ihr in diesem Podcast im Interview mit Marius Seiler.

Am Samstag ist Abreisetag und wir danken euch allen für die tollen und Zeit, die ihr mit uns geteilt habt, für die vielen inspirierenden Gespräche, die spannenden Entdeckungen in der Natur und nicht zuletzt Annemarie und Peter für das leckere Essen! 

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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