Tinkturen und Öle selber ansetzen – Kräuterkunde hinter Klostermauern 28. Juni 2022

Gesundheit und Vitalität in die eigene Hand genommen: eine Tinktur oder ein Öl ist denkbar einfach. Und wenn ein gepflegter Kräutergarten in einem Kloster zur Verfügung steht, erst recht. Davon konnten sich die Teilnehmer*innen heute im Kloster Wennigsen bei der eigenen Herstellung überzeugen.

Zunächst gab es eine Führung durch den Kräutergarten – den „wilden Teil“ mit den Wildkräutern und auch den gepflegten Küchenkräutern. Auch einige Giftpflanzen wurden angesprochen. Wenn auch die meisten Pflanzen, die uns auf Schritt und Tritt begegnen lecker und gesund sind, so gibt es doch einige, die giftig und zu meiden sind. Eine Artenliste der angeschauten Pflanzen dort ist beim Naturgucker eingestellt. Sie wurden noch mal zum Anschauen mit Namen beschriftet ausgelegt.

Dann ging es für jeden daran, die eigene persönliche Pflanze oder Mischung im Garten zu finde und zuzubereiten. Für die Tinktur werden die Blätter und Blüten zerkleinert, in ein weithalsiges Glas gefüllt und mit dem Alkohol aufgefüllt. Dieser Ansatz wird 3 bis 4 Wochen ausgezogen und täglich geschüttelt. Danach kann er mit einem Teefilter abgefiltert, in eine dunkle Tropfflasche gefüllt und beschriftet werden. Diese Tinktur wird tropfenweise eingenommen, entweder pur oder mit Wasser oder Saft gemischt. Für eine Kuranwendung empfiehlt es sich, mit einer Dosierung von 3x 3 Tropfen täglich zu starten. Wie beim Tee zeigt das eigene Körpergefühl, ob die Dosis passt. Zeigt sich keine Wirkung, wird die Dosis erhöht. Ist die Wirkung vorhanden aber zu stark, wird sie reduziert.

Ein Öl für die äußerliche oder innere Anwendung ist ebenso einfach und es macht viel Spaß, die Düfte und Farben der Kräuter in dem Öl „einzufangen“. Als Basis dient Pflanzenöl (Salatöl) ohne Eigengeschmack. Wildkräuter lassen sich auch gut mit bekannten Küchenkräutern mischen. Man kann auch Pfefferschoten, Knoblauch etc. zugeben. Das sieht auch sehr attraktiv aus. Nach ungefähr einem Monat, in dem das Öl täglich geschüttelt wird, ist es fertig und kann abgefiltert, abgefüllt und beschriftet werden. Das Öl von Johanniskraut beispielsweise ist zur äußerlichen Anwendung von entspannenden Kompressen und Massagen sowie zur Narbenbehandlung z.B. bei Sonnenbrand oder Wiesendermatitis geeignet. Es ist ebenso eine gesunde Salatbeigabe.

Die kulinarische Seite kam auch nicht zu kurz und so wurden einige Kostproben in Quark und Butter angerichtet – die Teilnehmer haben eine köstliche, kreative und bunte Mischung angerichtet, die nicht nur für den Gaumen ein Genuss war. Großer Dank an alle Teilnehmer für den schönen Nachmittag und Mutter Erde für die unerschöpfliche Quelle an Pflanzen voller Heilkraft, Schönheit und Genuss!

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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