Dieses Wochenende lädt uns Tina Wappler dazu ein, gemeinsam mit der Wildkräutersparte des Sport- und Freizeitklubs Böblingen e. V. die faszinierende Welt der Pilze zu entdecken.
Am Samstag erkunden wir ein Laubwaldgebiet bei Sindelfingen. Mithilfe der von Michael Joest entwickelten WebApp „Pilzwetter“ schauen wir uns die Bodenfeuchte an und stellen fest: Auch hier ist es, wie in weiten Teilen Deutschlands, ausgesprochen trocken. Mykorrhizapilze finden wir kaum. Vermutlich hängt das mit der Trockenheit zusammen, denn bei Wassermangel haben die Bäume weniger „Überschuss“ an Zuckerverbindungen an die Pilze abzugeben. Rund 95 % Prozent aller Pflanzen leben in einer Symbiose mit Pilzen. Die Pilze unterstützen ihre Partner unter anderem bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme und spielen eine wichtige Rolle für die Bodengesundheit.





Andere Pilze übernehmen die Aufgabe als „Müllabfuhr des Waldes“: Sie zersetzen Holz und abgestorbene organische Substanz und führen deren Nährstoffe in den Kreislauf zurück. Von diesen Arten entdecken wir einige. Darunter sind auch Speisepilze wie Stockschwämmchen, Hallimasch und Flaschen-Stäublinge. Vor allem an Totholz gibt es Spannendes zu entdecken. Mit dem Orangemilchenden und Blut-Helmling lässt sich wie mit einem „Waldkuli“ malen. Außerdem staunen wir darüber, wie unterschiedlich Pilze derselben Art aussehen können. Ein paar Falten-Tintlinge nehmen wir mit um aus ihnen Tinte herzustellen.





Beim Zunderschwamm beschäftigen wir uns mit der sogenannten Trama, dem Gewebe zwischen der Kruste und der Porenschicht. Früher wurde daraus Zunder hergestellt, mit dem sich Funken auffangen und Glut weitertragen ließ. Aus entsprechend aufbereitetem Material entstanden auch lederähnliche Gegenstände. Ein anschaulicher Eindruck dieser traditionellen Handwerkskunst vermitteln uns die Anschauungsstücke, die wir von Peter Karasch aus Rumänien dabeihaben. Die Schmetterlingstramete, die in der Mykotherapie auch unter dem Namen Coriolus bekannt ist, begegnet uns an verschiedenen Laubholzstümpfen. Unsere beobachteten Arten halten wir bei iNaturalist fest. Dort sind sie zusammen mit weiteren Bildern in unserer Artenliste zu finden.



Am Nachmittag nehmen wir uns Zeit, unsere Funde zu sortieren und mit dem Stereomikroskop genauer anzuschauen. Mithilfe von Verbraucherschutztafeln der DGfM besprechen wir, woran sich frische und verdorbene Fruchtkörper erkennen lassen. Wir bereiten Speisepilze als Kostproben zu und probieren sie gemeinsam. Tina hat uns eine köstliche Pilzsauce mit Champignons von Pilzmännchen zubereitet. Außerdem verköstigen wir einen besonderen Vitalpilz-Kakao mit Löwenmähne, auch Igel-Stachelbart genannt und Tee aus Chaga, der auch Schiefer Schillerporling heißt. Wir zeigen die Karte der DGfM, auf der sich Anlaufstellen für Pilzberatungen finden lassen, im Raum Stuttgart bieten dies auch die Pilzfreunde Stuttgart an.






Am Sonntag zieht es uns erneut in den Wald. Diesmal erkunden wir einen feuchteren Quellbereich bei Hildritzhausen, in dem wir neben Laubbäumen auch Nadelbäume finden. Von einer Krausen Glucke entdecken wir leider nur noch den Strunk. Doch auch sonst gibt es viel zu sehen. Besonders spannend ist der Fund von gleich drei Schwefelkopf-Arten, die wir miteinander vergleichen können. Wir finden auch Stockschwämmchen und Gift-Häublinge und sehen, welche Details für die Bestimmung wichtig sind. Auch diese Beobachtungen sind bei iNaturalist mit einigen Bildern zu finden.








Am Nachmittag gestalten wir aus unseren Funden erneut eine kleine Ausstellung. Gemeinsam betrachten wir die verschiedenen Arten, vergleichen unsere Entdeckungen und gehen offenen Fragen nach. Bei der NABU/naturgucker-Akademie gibt es unsere kostenlose Online-Fortbildung rund um Pilze. Meine handgezeichneten Pilzmotive stehen zum Download auf unserer Seite bereit und finden sich auch auf unseren Shirts und Produkten bei Spreadshirt. In einem Video zeige ich, wie sich die Produkte ganz einfach personalisieren lassen.





Fazit: Was für ein schönes Wochenende voller spannender Pilzfunde, neuer Erkenntnisse und gemeinsamer Entdeckungen. Wir freuen uns über die Vielfalt, die der Wald trotz der Trockenheit zu bieten hat, und über die vielen kleinen Besonderheiten, die sich erst bei genauerem Hinsehen zeigen. Ein herzliches Dankeschön an Tina für die Einladung und das leckere Essen, an alle Teilnehmenden für ihre Begeisterung und die vielen schönen Entdeckungen und an den Treff am See dafür, dass wir diese schönen Räumlichkeiten nutzen dürfen.




