Auf Entdeckungstour in der faszinierenden Welt der Pilze in Winterberg – 9. bis 11. September 2026

Drei Tage lang dreht sich in Winterberg alles um Pilze. Gemeinsam mit Pilzbegeisterten sind wir St. Bonifatius Bildungshaus Elkeringhausen zu Gast und begeben uns auf eine spannende Entdeckungsreise in eine Welt, die meist im Verborgenen bleibt. 

Pilze sind weit mehr als das, was wir als Fruchtkörper im Wald entdecken. Als unsichtbare Fadengeflechte durchziehen sie Böden und Holz, verbinden sich mit Pflanzen und übernehmen wichtige Aufgaben in den Stoffkreisläufen unserer Wälder. Wie dieses faszinierende Netzwerk – das sogenannte „Wood-Wide-Web“ – funktioniert, zeigt dieser Film auf anschauliche Weise.

Schon bei unserem ersten Ausflug auf die Wiesen rund um das Bildungshaus stoßen wir auf verschiedene Mykorrhizapilze wie Leder-Täubline, Perlpilze, sowie eine Marone und einen Steinpilz, die hier beim NABU/naturgucker dokumentiert sind. Eine schöne Überraschung ist auch ein großer Hexenring aus Wiesen-Champignons. Mit einem Durchmesser von rund sechs Metern ist dieser Ring schätzungsweise 25 Jahre alt. Wiesen-Champignons gehören ebenso wie die Hasenstäublinge zu den Zersetzern und leben von organischem Material im Boden – ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Lebensweisen von Pilzen sein können.

Am nächsten Tag geht es in die umliegenden Wälder.

Bereits auf dem Gelände des Bildungshauses entdecken wir verschiedene Röhrlinge: Flockenstielige Hexenröhrlinge, Steinpilze, Ziegenlippen und Rotfuß-Röhrlinge. Bei einem Rotfuß-Röhrling zeigt sich außerdem ein mit Goldschimmel überzogener Fruchtkörper. Diese Art wird vergleichsweise schnell von Schimmel befallen. Deshalb ist hier besondere Vorsicht geboten und es können nur ganz junge Exemplare gegessen werden, da der Goldschimmel sehr giftig ist!

An einem einzigen Baumstamm finden wir gleich fünf verschiedene Porlinge: neben Zunderschwamm und Riesenporling einen Laubholz-Harzporling, einen Rotrandigen Baumschwamm und den Flachen Lackporling. Letzterer ist auch als „Malerpilz“ oder „Designers mushroom“ bekannt. Auf seiner hellen Unterseite lassen sich wunderbar Linien und Muster einritzen – eine faszinierende Eigenschaft, die sich auch kreativ nutzen lässt. An abgestorbenen Baumstämmen wird gleichzeitig die enorme Zersetzungsleistung der Pilze sichtbar. Das ehemals harte Holz ist durch die Tätigkeit der Pilze so weit abgebaut, dass es sich teilweise mit den Händen zu kleinen „Weißfäulebällchen“ formen lässt. Nach dem Trocknen entstehen daraus erstaunlich harte kleine „Waldmurmeln“. Weißfäule-Zersetzer wie Austernseitling und Schmetterlings-Trameten lassen sich gut kultivieren und sind auch für für innovative Zukunfstlösungen geeignet. Vom Hallimasch finden wir gleichzeitig die Fruchtkörper und die charakteristischen Rhizomorphen. Der Saitenstielige Knoblauchschwindling ist an seinem langen, dunklen Stiel und vor allem sein intensiver Knoblauchgeruch kenntlich – sogar das Holz riecht danach. Unsere Funde dokumentieren wir wieder beim NABU/naturgucker.

Nachmittags sortieren unsere Funde und widmen uns insbesondere den Speisepilzen. Dabei geht es nicht nur darum, welche Arten essbar sind, sondern auch um ihren Frischezustand und die Frage, welche Exemplare tatsächlich noch für die Küche geeignet sind. Dies schauen uns auch anhand der Verbraucherschutztafeln der DGfM an. Die ausgewählten Pilze bereiten wir anschließend gemeinsam zu. Dazu gibt es Tee aus Brocken vom Chaga (Schiefer Schillerporling) und einen besonderen Vitalpilz-Kakao mit Löwenmähne, auch Igel-Stachelbart genannt. Dieser Pilz spielt unter anderem in der traditionellen asiatischen Medizin eine Rolle und wird dort mit Eigenschaften rund um Nerven und Konzentration verbunden. Der Kombucha ist ebenfalls ein Vitalgetränk. Ein am Vormittag aus dem Zunderschwamm geschnittenes Stück, das inzwischen getrocknet ist, lassen wir zur Veranschaulichung, wie früher damit Glut transportiert wurde, verglimmen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Pilzbestimmung. Mit dem am Vortag gefundenen Leder-Täubling üben wir die Bestimmung und setzen dabei auch chemische Reagenzien wie Eisensulfat und Guajak ein. Und auch die kreative Seite der Pilze kommt nicht zu kurz: Die Schiebeburg von Stefan Lüpges aus Porlingen sowie die Zunderartikel von Peter Karasch zeigen, wie vielfältig sich Pilze auch über ihre ökologische Bedeutung hinaus nutzen lassen. Am Abend schauen wir uns gemeinsam den Film „Fantastische Pilze“ mit Paul Stamets an. Er hat auch ein Buch mit gleichem Titel veröffentlicht.

Am dritten Tag erkunden wir den Fichtenwald

Am letzten Tag geht unsere Exkursion zuerst in den Fichtenwald direkt hinter dem Bildungshaus. Dort entdecken wir weitere Arten und können uns auch über einige Maronen freuen, typische Mykorrhizapilze, die mit Nadelbäumen in Symbiose leben. Dann schauen wir uns die am Vortag gefundenen Schopf-Tintlinge an, sie beginnen sich in Tinte zu verwandeln – essbar sind sie nur so lange die Fruchtkörper innen rein weiß sind.

Anschließend geht es noch einmal in den Buchenwald. Hier wartet eine besonders schöne Entdeckung auf uns: An einem ganzen Stamm wachsen zahlreiche Schmetterlings-Trameten. In der Vitalpilzkunde werden sie unter dem Namen Coriolus geschätzt, und auch für kreative Arbeiten eignen sich die dekorativen Fruchtkörper hervorragend. Natürlich landen auch diese Funde wieder in unserer Dokumentation beim NABU/naturgucker.

Lust auf mehr Pilzwissen:

Die NABU/naturgucker-Akademie bietet eine kostenlose Online-Fortbildung rund um Pilze an. In unserer WebApp gibt es weitere spannende Informationen rund die Pilzwelt, zur vorgestellten WebApp „Pilzewetter“ gelangt ihr hier. Zum Vergleich der möglichen Verwechslungsarten haben wir 123pilzsuche verwendet. Als umfangreiches Buch über Vitalpilze empfehlen wir das Buch „Heilende Pilze“ von Jürgen Guthmann. Zur Mykorrhiza empfehlen wir „Die Weisheit der Wälder“, zur Waldwirtschaft „Der Holzweg“ und zu Pilzen allgemein Das geheimnisvolle Leben der Pilze: Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt No fungi no future: Wie Pilze die Welt retten können‚ sowie das  Buch von Merlin Sheldrake ‚Verwobenes Leben‘.

Meine handgezeichneten Pilzmotive stehen zum Download auf unserer Seite bereit und finden sich auch auf unseren Shirts und Produkten bei Spreadshirt. In einem Video zeige ich außerdem, wie sich die Produkte ganz einfach personalisieren lassen.

Fazit: Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden für eure Neugier, eure Begeisterung und die vielen schönen gemeinsamen Momente. Und natürlich ein großes Dankeschön an das Team des Bildungshauses für die wunderbare Atmosphäre, das gute Essen und die herzliche Begleitung. 

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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