Zwei Tage voller Doldenblütler im Nordschwarzwald – 10. bis 12. August 2026

Die letzten beiden Tage haben wir in der Heilpflanzenschule Nordschwarzwald mit der Bestimmung von Doldengewächsen zugebracht. Die Teilnehmerinnen hatten eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen mitgebracht, sodass unsere erste Aufgabe darin bestand, zunächst einmal Ordnung in die Sammlung zu bringen und herauszufinden, welche Pflanzen überhaupt zu einzelnen Arten gehören.

Im Vergleich mit einem Baldrian machen wir uns zunächst mit den grundlegenden Merkmalen der Doldenblütler vertraut: Die Blätter sind wechselständig und beginnen am Stängel häufig mit einer auffällig verdickten Blattscheide. Die Blütenstände verzweigen sich regelmäßig von einem gemeinsamen Punkt aus. Neben der Blütenfarbe – von Gelb und Grünlich bis hin zu Weiß und Rosa – betrachten wir weitere wichtige Merkmale, etwa das Vorhandensein oder Fehlen von Hüll- und Hüllchenblättern.

Am Fenchel üben wir anschließend, Ordnung in die fein gefiederten und mehrfach geteilten Blätter zu bringen. Zum Vergleich schauen wir uns ein einfaches und ein einfach gefiedertes Blatt an. Unsere erste Bestimmung machen wir mit dem Rätselpfad „Doldenblütler“ und bestimmen die Wald-Engelwurz. Auffällig sind ihr rinniger Blattstiel, der kahle Stängel und die grob gefiederten Blätter. Natürlich liefern auch Geruch und Geschmack wichtige Bestimmungsmerkmale – gerade diese lassen sich allerdings in digitalen oder schriftlichen Medien nur schwer vermitteln. Nach dem Mittagessen geht es mit der Bestimmung weiter. Nach einem kleinen „Galopp“ durch die Evolution bestimmen wir mit dem Grundkurs Pflanzenbestimmung die Wilde Möhre. Besonders markant sind ihre gefiederten Hüllblätter und die borstig-stacheligen Früchte, die mit den Stereomikroskopen besonders beeindruckend aussehen.

Exkursion bei Dobel

Der zweite Tag beginnt mit einer Exkursion in die Umgebung von Dobel. Gleich am Parkplatz schauen wir uns den Wiesen-Bärenklau und den Gold-Kälberkropf an – ebenso wie die Wilde Engelwurz, die wir bereits am Vortag kennengelernt haben. Auf der Wiese finden wir die Kleine und die Große Bibernelle, zwei Doldengewächse, die auch in der Wildkräuterküche beliebt sind. Besonders beeindruckend ist der Riesen-Bärenklau, der hier am Waldrand mit einigen stattlichen Exemplaren wächst. Außerdem entdecken wir den Klettenkerbel. Sein Name kommt nicht von ungefähr: Schon beim Anfassen erinnert er an das Kletten-Labkraut und lässt sich dadurch gut erkennen.

Nach dem Mittagessen beschäftigen wir uns weiter mit den neuen Funden und den mitgebrachten Pflanzen und üben uns mit der Bestimmung mit dem Buch „Doldenblütler“. So entsteht nach und nach eine beeindruckende Ausstellung, in der dank Martinas mitgebrachtem Preußische Laserkraut mit dieser Art sogar einige echte Seltenheiten zu finden sind – und auch sehr giftige wie die Hundspetersilie.

Insgesamt haben wir folgende Arten angeschaut:

  • Giersch (Aegopodium podagraria)
  • Hundspetersilie (Aethusa cynapium)
  • Große Knorpelmöhre (Ammi majus)
  • Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris)
  • Große Sterndolde (Astrantia major)
  • Aufrechter Merk (Berula erecta)
  • Wiesen-Kümmel (Carum carvi)
  • Gold-Kälberkropf (Chaerophyllum aureum)
  • Wilde Möhre (Daucus carota)
  • Fenchel (Foeniculum vulgare)
  • Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Preußisches Laserkraut (Laserpitium prutenicum)
  • Pastinak (Pastinaca sativa)
  • Petersilie (Petroselinum crispum)
  • Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)
  • Große Bibernelle (Pimpinella Major)
  • Klettenkerbel (Torilis japonica)

In den Pausen gab es Gelegenheit für inspirierende Gespräche wie beispielsweise die Filme über Pädagogik „Alphabet“ und „May I be happy“. Meine (Ritas) handgezeichneten Motive gibt es zum Download und bei Spreadshirt und in diesem kurzen Video zeige ich, wie sich die Produkte einfach personalisieren lassen. 

Fazit: Diese zwei Tage voller Entdeckungen haben uns sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank an alle Teilnehmenden für ihre Begeisterung und die vielen mitgebrachten Pflanzen, an Rahel für die super Organisation und an das Henhöferheim für die freundliche Aufnahme in ihrem Bildungshaus. Es waren zwei intensive Tage mit vielen neuen Arten, spannenden Bestimmungsmerkmalen und vor allem ganz viel gemeinsamer Freude am genauen Hinschauen.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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