Ein Wochenende mit Doldenblütlern: Bestimmung und Artenvielfalt in der Biologischen Station – 18. bis 19. Juli 2026

Dieses Wochenende haben wir uns in der Biologischen Station Kreis Recklinghausen der Bestimmung von Doldenblütlern gewidmet. Zuerst sortierten wir die mitgebrachten Doldengewächse, um gleiche Arten zusammenzufassen – was sich als gar nicht so einfach erwies, da sich manche Arten erstaunlich ähneln. Um ihren Blüten und weiteren Merkmale in voller Schönheit zu betrachten, haben wir Stereomikroskope eingesetzt. 

Besonders beeindruckend war der Gefleckte Schierling, den Sabrina mitgebracht hatte: Mit über zwei Metern Höhe sah er den beiden von uns gefundenen Exemplaren mit komplett grünem Stängel und nur einem Meter Größe kaum ähnlich. Doch die rundlichen Früchte, die rückwärtsgerichtete Hülle und das einseitswendige Hüllchen halfen uns bei der Zuordnung. Um die gefährlichsten Vertreter dieser Familie – Gefleckter Schierling, Hundspetersilie und Wasserschierling – zu erkennen, sind vor allem die rundlichen Früchte und der kahle Stängel entscheidend. Der Geruch kann zwar ein Hinweis sein, ist aber unzuverlässig, da er auch ganz fehlen kann. Auch die oft genannten roten Flecken am Stängel sind kein sicheres Merkmal, da sie durch Anthocyane entstehen, als eine Art „Sonnenschutz“ dienen und je nach Standort fehlen können.

Nach einer Einführung in den Blütenaufbau am Beispiel der Wilden Möhre widmeten wir uns der Bestimmung – zuerst mit dem Rätselpfad und anschließend mit unserem Buch „Doldenblütler“. Beeindruckt hat uns auch das von Felix mitgebrachte rosafarbene Exemplar. Zur Abrundung des Tages machten wir einen kleinen Ausflug in den wunderschönen Garten der Station, wo wir neben vielen anderen Pflanzen auch einige Doldengewächse bestaunen konnten, darunter Flachblatt-Mannstreu, Dill, Glatte Petersilie und Pastinak.

Am Sonntag bestimmten wir mit dem Grundkurs Pflanzenbestimmung den Klettenkerbel – sozusagen ein Galopp durch die Evolution, da die evolutionär jüngsten Pflanzen wie die Doldengewächse in botanischen Fachbüchern ganz am Ende stehen. Danach wurden einige der weiteren mitgebrachten Arten in Kleingruppen bestimmt. Die Artenvielfalt war erstaunlich (Reihenfolge nach wiss. Namen):

  • Giersch (Aegopodium podagraria)
  • Dill (Anethum graveolens)
  • Echte Engelwurz (Angelica archangelica)
  • Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris)
  • Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris
  • Große Sterndolde (Astrantia major)
  • Aromatischer Kälberkropf (Chaerophyllum aromaticum)
  • Rüben-Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosum)
  • Taumel-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum)
  • Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
  • Koriander (Coriandrum sativum)
  • Wilde Möhre (Daucus carota)
  • Mannstreu (Eryngium campestre)
  • Fenchel (Foeniculum vulgare)
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Süßdolde (Myrrhis odorata)
  • Pastinak (Pastinaca sativa)
  • Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)
  • Sanikel (Sanicula europaea) 
  • Zucker-Merk (Sium sisarum)
  • Klettenkerbel (Torilis japonica)

Bei einem kleinen Ausflug in die Umgebung beeindruckte uns die Variabilität der Blätter vom Wiesen-Bärenklau. An ihrer starken Behaarung und der groben Fiederung sind sie dennoch gut zu erkennen. Wir probierten ein Stück eines Blattstängels – im „Stängelkuchen“ kommt das aromatisch-zarte Aroma besonders gut zur Geltung. Zwei vegane Varianten dazu findet ihr in unserer WebApp unter „Hintergrundwissen → Deftiges Gebäck * Kuchen“. Spannend waren auch die dort wachsenden Kragen-Kiefern

Beeindruckend war auch der Durchmesser des Stängels der Echten Engelwurz: Frisch kandiert schmeckt er köstlich, und getrocknet eignet er sich für zahlreiche Bastelprojekte – von Aufbewahrungsbehältern bis hin zu Zuckerdöschen.

Wer sich weiter mit botanischer Bestimmung beschäftigen möchte findet in der NABU/naturgucker-Akademie zu vielen Organismengruppen kostenlose Online-Schulungen und von uns botanische Kurse auf der Permakultur-Plattform. Weiterführende Infos und Bestimmungsschlüssel zu Pflanzen findet ihr hier. Die Shirts und Produkte mit meinen (Ritas) gezeichneten Motiven könnt ihr auf die eigenen Bedürfnisse anpassen, das erkläre ich in diesem kurzen und auf andere Art in diesem Video. Wenn ihr ein Motive in unserer Bildergalerie findet, dass ihr gerne dort eingestellt haben möchtet, schreibt mir eine Mail und ich stelle es gerne dort ein.

Fazit: Wir danken allen Teilnehmenden herzlich für eure Schwarmintelligenz und inspirierende Begeisterung für die Schönheiten der Natur – und ganz besonders Heike Kalfhues für die super Organisation und Marie für ihren Einsatz im Hintergrund! Wir wünschen euch weiterhin viel Freude bei der Bestimmung und dem Genießen der Natur.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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