Auf den Spuren von Kaiserlingen, Orchideen und wilden Bächen: Naturerlebnisferien in Ligurien – 24. bis 30. Mai 2026

Eine Woche voller Natur, Kreativität und gemeinsamer Entdeckungen liegt hinter uns. Im artenreichen Vara-Tal, einer der ursprünglichsten Landschaften Liguriens, haben wir die Schönheit einer Kulturlandschaft erlebt, die seit Jahrhunderten behutsam bewirtschaftet wird und deshalb als erstes europäisches Biotal zertifiziert wurde. Seltene Orchideen, wilde Bäche, urige Wälder und spektakuläre Ausblicke bildeten die Kulisse für unsere Naturerlebnisferien bei Annemarie und Peter

Am Sonntagnachmittag beginnen wir bereits mit Farbexperimenten. Montag erkunden wir gemeinsamen die Stora, den wilden Bachlauf unterhalb unserer Unterkunft „Suié“. Einige Arten sind mit Fotos und einer Fundliste beim NABU/Naturgucker eingetragen. Zwischen den glatt geschliffenen Steinen, Ästen und Pflanzen fanden wir nicht nur interessante Pflanzenarten, sondern auch reichlich Material für kreative Projekte. Auf der Terrasse entstanden daraus kleine Skulpturen, Schmuckstücke und fantasievolle Kunstwerke. Wir experimentierten mit Pflanzenfarben und Tinten, setzten rostige Metallteile in Essig an, um Eisenbeize für spätere Gallustinten herzustellen, und formten aus Weißfäule erstaunlich leichte Kugeln, die in der ligurischen Sonne rasch trockneten.

Am Dienstag führte uns ein Ausflug nach Varese Ligure. Mit seinen engen Gassen, traditionellen Häusern, kleinen Geschäften und der alten Steinbrücke über den Fluss versprüht das Städtchen einen ganz besonderen Charme. Da Markttag war, herrschte buntes Treiben auf den Plätzen und in den Straßen. Besonders beeindruckend war der Besuch einer der letzten Werkstätten, in denen noch die traditionellen Holzstempel für Croxetti hergestellt werden – kunstvoll verzierte Nudeln, die einst die Wappen der Familien trugen.

Anschließend besuchten wir die Bio-Kräutermanufaktur Piccolo Erbe. Dort werden Safran und weitere Kräuter zu aromatischem Salz, Hydrolaten und Tees verarbeitet. Nachmittags verarbeiteten wir selber einige Kräuter: Ein Körperpeeling aus Zitronenblättern und Blüten und Rosmarin zu Kräutersalz. Die Hundewolle von „Snoopy“ wurde für das Färben in Kaltbeize eingelegt. Natürlich durfte auch die Herstellung der traditionellen Croxetti-Nudeln mit den kunstvollen Holzstempeln nicht fehlen. Außerdem haben wir mit Hilfe des Echten Labkrautes Milch in Käse verwandelt.

Mittwoch zeigt uns Peter seine Shiitake-Kulturen, die gerade Fruchtkörper gebildet hatten. Dort haben wir auch Schleimpilze entdeckt. Wer tiefer in dieses ganz eigenes Reich eintauchen möchte, dem empfehlen wir den Film von Karl-Heinz Baumann – zwar schon älter, aber dank seiner Zeitrafferaufnahmen nach wie vor sehenswert. Anschließend ging es den Passo Capeletto hinauf. Nachdem wir die zauberhaften Bergwiesen durchwandert haben, erwartete uns ein wahrer Zauberwald mit mächtigen knorzigen Buchen. Auch hier sind einige Fotos und unsere Entdeckungen  beim NABU/naturgucker dokumentiert. 

Am Donnerstag erkundeten wir zu Fuß die Umgebung von Porciorasco, einem kleinen, verlassene Ort, in dem es nur noch eine Einwohnerin gibt. Auch hier entdeckten wir zahlreiche Pflanzenarten die beim NABU/Naturgucker anzuschauen sind. Nachmittags färben einige von uns die gebeizte Wolle mit Färber-Ginster, während sich andere einige Pflanzen mit dem Stereomikroskop anschauen und bestimmen.

Natürlich durfte während einer Woche in Ligurien auch das Meer nicht fehlen. Freitag führte uns ein Ausflug nach Sestri Levante an die Küste. Dank einer frischen Brise war die Wanderung entlang der Küste trotz Sonnenschein angenehm, während die drohenden Gewitterwolken glücklicherweise an uns vorbeizogen. Unterwegs entdeckten wir viele interessante Pflanzen, eine Smaragdeidechse und als besonderes Highlight Kaiserlinge, die Peter gefunden hatte. Ihre gelben Lamellen unterscheiden sie deutlich von den ähnlich gefärbten Fliegenpilzen, obwohl beide zur gleichen Pilzgattung gehören. Unsere Entdeckungen sind wieder beim NABU/natugucker dokumentiert. Den gelungenen Tag ließen wir bei einem gemeinsamen Abendessen in der Pizzeria von San Pietro Vara ausklingen.

Am Samstag hieß es bereits Abschied nehmen. Doch zunächst widmeten wir uns noch einmal den Pflanzenfarben. Die inzwischen gereifte Eisenbeize aus rostigen Metallteilen und Essig wurde mit unreifen Walnüssen vermischt, um die licht- und dokumentenechte Gallustinte herzustellen. Traditionell werden dafür Eichengallen verwendet, doch auch andere gerbstoffreiche Pflanzen eignen sich hervorragend. Gleichzeitig nutzten wir das herrliche Wetter für Experimente mit Cyanotypie. Auf lichtempfindlichem Spezialpapier entstanden durch aufgelegte Pflanzen faszinierende blaue Bilder, die die Erinnerung an diese Woche auf ganz besondere Weise festhalten.

Die T-Shirts mit den von mir (Rita) gezeichneten Naturmotiven findet ihr hier. Wie ihr die Motive anpassen könnt zeige ich in diesem kurzen und auf andere Art in diesem Video. Die Motive könnt ihr auch von unserer Seite downloaden.

Fazit: Eine Woche voller gemeinsamer Entdeckungen, kreativer Ideen, inspirierender Gespräche und wunderbarer Naturerlebnisse. Wir danken euch allen für die schöne Zeit und eure Begeisterung – ein ganz besonderer Dank gilt Annemarie und Peter, die uns jeden Tag mit köstlichem Essen verwöhnt haben.

Rita & Frank
Rita & Frank

Hallo, mein Name ist Rita,

seit meiner Kindheit bin ich gerne in der Natur unterwegs und mache dort unzählige kleine und große Entdeckungen. Die Faszination dieser unerschöpflichen Quelle von bunten Formen, spannenden Beobachtungen und leckeren Pflanzen und Pilzen treibt mich auch heute noch an. Das Biologie-Studium und meine anschließende Promotion mit Schwerpunkt Botanik hat mir einiges an Fachwissen gebracht, doch mich auch nahezu das Staunen und die Ehrfurcht und Demut vor der Schöpfung vergessen lassen – all dies und noch viel mehr habe ich wieder gefunden. Bei verschiedenen Bildungseinrichtungen biete ich Seminare zu Pflanzen und Pilzen an – inzwischen meist zusammen mit meinem Mann Frank. Außerdem male und fotografiere ich gerne was mich selber begeistert und baue dies in unsere Lehrmaterialien und Bücher ein, die ich zusammen mit Frank verfasse und gestalte.

Hallo, mein Name ist Frank,

Vögel haben mich bereits sehr jung fasziniert und seit meiner Jugend begeistere ich mich für Outdoor- und Survival-Aktivitäten, sei es mit dem Kanu in Kanada oder auf verschiedenen Wegen in Skandinavien. Als Zahntechniker ist dies auch ein guter Ausgleich zu meiner ansonsten eher „indoor“ stattfindenden Arbeit. Seit den nun fast 30 Jahren, die Rita und ich gemeinsam in der Natur unterwegs sind, habe ich einiges an Pflanzen- und Pilzkenntnissen hinzu gewonnen. Mein Part in unseren gemeinsamen Seminaren ist es, aufzupassen, dass es nicht zu „akademisch“ wird – und immer wieder allgemeine Fragen zu stellen und „die Bodenhaftung“ zu behalten. So ist aus unseren gemeinsamen Entdeckungen zum Beispiel die Ausbildung zum PilzCoach entstanden.

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